Warum das Klima jetzt plötzlich die Köpfe erhitzt

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Seit Monaten füllen die Diskussionen zum Klima die Zeitungen, aber eigentlich wissen wir ja schon lange, was der Klimawandel ist. Wieso ist es genau jetzt so wichtig? 

CO2 und andere Treibhausgase wie Methan wirken wie eine Dämmschicht um unseren Planeten. Wärmestrahlen, die von der Erdoberfläche aus ins Weltall verschwinden wollen, werden in der Atmosphäre gespiegelt oder aufgenommen. Dadurch haben wir auf der Erde angenehme Temperaturen, die Leben ermöglichen. Steigt nun aber die Konzentration von CO2 und anderen Treibhausgasen an, dann gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance und die Durchschnittstemperatur erhöht sich. So als hätte man in einer Sommernacht eine Bettdecke zu viel. Diesen Zusammenhang verstehen wir mittlerweile fast alle, er ist ja schliesslich auch schon lange bekannt. Wieso aber soll nun dieser Klimawandel plötzlich so ein grosses Problem sein?

Beim Pariser Klimaabkommen im Jahr 2015 konnten sich die Staaten darauf einigen, die Temperaturerwärmung klar unter 2° C gegenüber vorindustrieller Zeit zu halten. Das ambitioniertere Ziel von 1.5° C, wie von einzelnen Inselstaaten und NGOs gefordert, wurde nur in einem Nebensatz genannt. Im vergangenen Herbst veröffentlichte der Weltklimarat (IPCC) jedoch einen neuen Bericht, der sich genau mit dem Ziel von 1.5° C beschäftigte. Dabei kam der IPCC zu einem dramatischen Schluss. Es sei «in jeder Hinsicht empfehlenswert», alles für das 1.5°C-Ziel zu tun, da die Risiken von Dürren, starken Stürmen und weiteren einschneidenden Veränderungen bereits vor 2°C Erwärmung sehr gross seien [1]. Dazu kommen Risiken mit sogenannten «Kippeffekten» und dem neusten IPCC-Bericht zufolge sogar die Gefahr einer instabilen Lebensmittelversorgung [2].

Während sich also eigentlich schon lange alle einig sind, dass etwas fürs Klima gemacht werden muss, war vielen die zeitliche Dringlichkeit nicht bewusst. Als die Wissenschaft also nochmals deutlich klargemacht hat, dass wir zu langsam unterwegs sind, fanden die ersten Klimastreiks statt.  Deshalb ist das Thema jetzt ganz oben auf der Agenda.

Auch wir vertrauen auf die Wissenschaften und fordern deshalb die Einhaltung des 1.5°C-Ziels. Damit wir das erreichen können, steht uns noch ein begrenztes CO2-Budget zur Verfügung, laut IPCC ungefähr 420 Gigatonnen CO2 [3]. Beim momentanen weltweiten Verbrauch ist dieses Budget in gut 8 Jahren aufgebraucht, die Zeit drängt also. Rechnen wir diese Zahl auf die Schweiz runter und berücksichtigen wir die Faktoren ‘wirtschaftliche Leistungsfähigkeit’ und ‘globale Verantwortung’, so müssten wir eigentlich kurz nach 2020 auf Netto Null CO2 angelangt sein. Netto Null CO2 heisst, dass nicht mehr CO2 ausgestossen wird, als wiederaufgenommen oder gespeichert werden kann. 2020 ist selbstverständlich unrealistisch, weshalb wir uns als JUSO der Forderung des Klimastreiks anschliessen. Das heisst: Netto Null CO2 und weitere Treibhausgase bis 2030. Wer weiterhin vom Jahr 2050 spricht, wie dies die meisten Parteien tun, hat entweder die Krise noch nicht verstanden oder ist extrem arrogant gegenüber jenen, welche bereits jetzt unmittelbar von der Klimakrise betroffen sind oder das noch sein werden. Damit wir das Klima retten können braucht es grundlegende Veränderungen und die gibt’s nur mit der JUSO.

Nicola Siegrist, Kantonsrat und Nationalratskandidat 

 

Quellen:

[1] IPCC, 2018: Summary for Policymakers. In: Global Warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and efforts to eradicate poverty [Masson-Delmotte, V., P. Zhai, H.-O. Pörtner, D. Roberts, J. Skea, P.R. Shukla, A. Pirani, W. Moufouma-Okia, C. Péan, R. Pidcock, S. Connors, J.B.R. Matthews, Y. Chen, X. Zhou, M.I. Gomis, E. Lonnoy, T. Maycock, M. Tignor, and T. Waterfield (eds.)]. World Meteorological Organization, Geneva, Switzerland, 32 pp.

[2] IPCC, 2019: Summary for Policymakers. In: Climate Change and Land. An IPCC Special Report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems [Almuth Arneth et al.]. World Meteorological Organization, Geneva, Switzerland.

[3] IPCC, 2018: Summary for Policymakers. In: Global Warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and efforts to eradicate poverty [Masson-Delmotte, V., P. Zhai, H.-O. Pörtner, D. Roberts, J. Skea, P.R. Shukla, A. Pirani, W. Moufouma-Okia, C. Péan, R. Pidcock, S. Connors, J.B.R. Matthews, Y. Chen, X. Zhou, M.I. Gomis, E. Lonnoy, T. Maycock, M. Tignor, and T. Waterfield (eds.)]. World Meteorological Organization, Geneva, Switzerland, 32 pp.

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