Mehr Effizienz? Mehr Suffizienz!

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Ein Blogbeitrag von Stefan Bruderer, Lokführer, Zugverkehrsleiter und Nationalratskandidat der JUSO Kanton Zürich. 

In unserem Bestreben für eine nachhaltigere Lebensweise bemühen sich viele Menschen darum, ihren ganz persönlichen ökologischen Fussabdruck zu verkleinern. Die Wirtschaft und Wissenschaft unterstützt uns dabei und sieht das grösste Potenzial bei Effizienzsteigerungen.

Unbestritten ist, dass eine LED-Lampe weniger Energie verbraucht als eine alte Glühlampe. Dass es durch Effizienzsteigerungen oft aber auch zu sogenannten Rebound-Effekten kommt, wissen schon weniger Menschen. Denn wenn gemäss dem genannten Beispiel der Energieverbrauch für die Beleuchtung sinkt, passen sich auch die Kosten dafür nach unten an. Dies verleitet die Konsument*innen dazu, mehr des nun günstigeren Produkts zu konsumieren und somit werden die Effizienzgewinne wieder vernichtet.

Folglich bringt uns das Streben nach mehr Effizient allein nicht weiter. Wir müssen uns nun endlich mit der Thematik der Suffizienz beschäftigen und die Suffizienz in allen Bereich unseres Lebens einbringen. Für viele steht Suffizienz für Verzicht und löst damit negative Gefühle aus. Synonyme für Suffizienz sind jedoch auch Begriffe wie Mässigung, Bescheidenheit, Sättigung und Genügsamkeit. Alle diese Begriffe stehen für eine Zukunft, in der wir unserer Erde nicht noch mehr Schaden zufügen.

Mit dem Prinzip der Suffizienz ist aber auch die Auseinandersetzung mit Fragen nach dem optimalen, beziehungsweise richtigen Mass für das gute Leben und die Suche nach einer Balance zwischen Materiellem und Immateriellem, sowie Quantität und Qualität verknüpft. Das Bestreben für eine nachhaltigere Lebensweise ist folglich nicht nur eine technische Herausforderung, sondern vielmehr eine gesellschaftliche Aufgabe, vor allem für die Bewohner*innen des globalen Nordens.

Ich plädiere darum dafür, in Zukunft nicht auf einen Flug zu verzichten, sondern das Reisegefühl zurückzugewinnen, welches wir mit Zug, Bus oder Schiff haben. Machen wir wieder die Reise zum Ziel und nicht den möglichst schnellen Transport von A nach B. Lasst uns bei der Ernährung nicht verzichten, sondern die Vielfalt und den Genuss von lokalen und biologisch produzierten Produkten wiederentdecken. Verzichten wir nicht auf die neusten technischen Errungenschaften, welche uns die Werbung schmackhaft machen will; gehen wir aufeinander zu und schöpfen Energie und neues Wissen aus den Begegnungen mit unseren Mitmenschen.

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